Eine Woche in Barcelona

????
????

(mit der RLS)

Diese Woche war doch anders als erwartet: Es ging weniger darum, ob denn der katalanische Autonomie-Kampf etwas Fortschrittliches ist, und auch das Verhältnis von Podemos und IU spielte kaum eine Rolle, also die Fragen, die deutsche Linke im Zusammenhang mit Spanien umtreiben.

Ich will jetzt auch nichts sagen darüber, was wir alles über die jüngste spanische Geschichte gelernt haben, die nicht aufgearbeitete Vergangenheit nach Franco, den Bürgerkrieg, die Rolle der PSOE als Teil eines „Paktes des Vergessens“, die nationale und die soziale Frage.

Wir haben viel gesprochen mit und gesehen von den AktivistInnen, PAH – der Bewegung der Hypothekengeschädigten, den verschiedenen „Mareas“ zur Rettung öffentlicher Dienstleistungen, mit Nachbarschaftshilfen, selbst organisierten Betrieben, den Aktivistinnen der CUP, mit genossenschaftlichen Brauereien, Tischlereien und Wohnungsbau, mit den Vertretern von Can Masdeu, einem Projekt, das ein ehemaliges Hospital in den Bergen übernommen hat und in dem nun die Nachbarschaft gärtnert, unter anderen. Mit den Künstlerinnen des Projekts enmedio, und anderen Vertretern einer neuen Art von Politik, wie sie die 15M-Bewegung verkörpert – und das fand ich das besonders Bedenkenswerte.

Initiativen wie PAH sind breit verankert. Alternativprojekte, wie die Kooperativen in Can Batlo sind nicht esoterische Inseln, sondern verändern das Verständnis von Politik. Massenaktionen wie nach den Bombenanschlägen in Madrid in 2004 entstehen spontan, über soziale Medien.  Der Versuch der herrschenden Parteien, die entstehende Angst auf ihre Mühlen zu lenken, schlug für sie ins Gegenteil um – aus der Angst wurde Wut und wurden auch Widerstandsformen. Es geht nicht mehr um „rechts und links“, sondern um die eigene Betroffenheit von Politik, um Politik von unten. Naiv, könnte man sagen, und haben wir auch gesagt. Mit unserer politischen Geschichte auf dem Buckel, und unserem Drang, immer gleich das Richtige denken und tun zu wollen. Und sicher auch mit Neid auf die neue politische Kultur dort, von der wir noch viel lernen können.

Vielleicht idealisiere ich jetzt ein wenig, weil man uns ja sicher auch vor allem Schokoladenseiten gezeigt hat. Aber für mich bleibt erst mal: die Verbindung von Politik und Ästhetik, oder: Politik muss auch Spaß machen. Alternativen zum Neoliberalismus und dessen Denken gibt es, sie entstehen von unten, sind konkrete Handlungen und Modelle, und die sind viel wichtiger als immer korrekt zu denken. Und sie können auch im Alltag der „normalen Menschen“ verankert sein, anders als viele autonome und „alternative“ Modelle und Initiativen bei uns, die ja eher Wert auf ihre Exklusivität legen.