Linke Querbürster

Rosa-Luxemburg-Gesprächskreis Sülz-Klettenberg

Sülz-Klettenberg, ein mittlerweile sehr bürgerliches Viertel – das war zumindest Sülz nicht immer – ist die Wurzel unseres Gesprächskreises. Menschen, die sich in früheren Jahren in Parteien engagiert hatten, die sich aus der Friedensinitiative der achtziger Jahre kannten, suchten ein Forum, in dem sie sich jenseits politischer Handlungszwänge und vorab codierter Verortungen austauschen konnten. Den Namen hatten wir uns unabhängig von der Rosa-Luxemburg Stiftung zugelegt, weil er unser linkes, sozialistisches und demokratisches Grundverständnis zum Ausdruck bringt. Heute kooperieren wir mit der Rosa-Luxemburg Stiftung, sind aber nicht deren Teil.
Wir haben – bisher – keine vereinsmäßigen Strukturen, sondern sind in dieser Hinsicht nach wie vor eher anarchisch. Die Themen, über die wir einmal im Monat diskutieren, meist am dritten Dienstag jeden Monats, suchen wir uns selbst aus. Jeder kann zu der Themenfindung beitragen. Mal holen wir mehr oder weniger hochkarätige Referentinnen, mal organisieren wir die Debatte mit unseren eigenen Kräften und Ideen. Der Euro und Griechenland, die Wohnsituation und der Kapitalismus, das gute Leben im Viertel und der Krieg in Syrien, die Flüchtlinge oder Populismus – wir diskutieren über alles, was uns wichtig erscheint und wo wir Aufklärungsbedarf haben.
Jeder, der mitdiskutieren will, ist bei uns willkommen. Er/Sie muss weder aus Sülz noch aus Klettenberg kommen, aber er/sie sollte offen dazu sein, auch „linkes“ Selbstverständliche mal quer zu bürsten.

Wir müssen reden

 

„Die Menschen müssen miteinander reden“. Interview mit Karl-Heinz Heinemann, Leiter des Rosa-Luxemburg-Gesprächskreis Köln/Klettenberg, im Kölner Stadtanzeiger

 

Hier ein Auszug aus dem Interview:

Herr Heinemann, Sie sind Organisator des „Rosa-Luxemburg-Gesprächskreis Köln/Klettenberg“, der regelmäßig zu Vorträgen und Diskussionen über verschiedene politische Themen einlädt. Wie kam es zur Gründung?

Vor zehn bis 15 Jahren habe ich ihn gemeinsam mit zwei Freunden aus dem Viertel gegründet. Wir kennen uns schon sehr lange. Wir waren schon in den 80er Jahren zusammen in der Friedensinitiative Sülz/Klettenberg. Das ist dann Ende der 80er Jahre eingeschlafen. Dann waren wir in den 90er Jahren bis Anfang 2000 nicht so politisch engagiert. Aber irgendwann haben wir uns gedacht, dass man sich doch einmal wieder austauschen muss.

Warum haben Sie den Kreis nach Rosa Luxemburg benannt?

Wir haben uns so genannt, weil wir Rosa Luxemburg für eine faszinierende Persönlichkeit und Denkerin im linken Spektrum halten. Rosa Luxemburg war ja auch, was die politische Strategie betrifft, eine Gegenspielerin und hat auf Massenbewegungen gesetzt. Und wir hoffen ja auch immer noch auf demokratische Massenbewegungen. Der Kontakt zur Rosa-Luxemburg-Stiftung, deren Landesvorsitzender ich nun bin, hat sich erst später ergeben.

Was sind das für Menschen, die am Rosa-Luxemburg-Gesprächskreis teilnehmen?

Wir haben hier in Sülz eine Menge Leute, die für sich in Anspruch nehmen, ein kritisches Bewusstsein zu haben, und das sind auch die Leute, die zum Gesprächskreis kommen.Wir haben allerdings ein Generationsproblem. Es gibt manchmal pensionierte Lehrer und Lehrerinnen, die gerne noch einmal ein Podium haben, wo sie etwas dozieren können. Das kann jüngere Leute abschrecken. Da habe ich als einer der Organisatoren die Aufgabe, so zu moderieren, das das nicht Überhand nimmt. Es gibt jetzt aber auch noch einen Stammtisch, wo jeder quatschen kann wie er möchte. Wir freuen uns über jüngere Teilnehmer.

Was können solche Diskussionsgruppen leisten?

Es ist wichtig, dass es solche Diskussionsangebote in den Vierteln gibt. Wir brauchen solche Formen von Öffentlichkeit. Wenn die Menschen nur vorm Fernseher sitzen und sich nicht austauschen können, dann verarmt dieses Land. Menschen müssen miteinander reden. Wir haben es Gesprächskreis Köln/Klettenberg genannt, aber es gibt in Köln leider nichts, was vergleichbar wäre, das auf der einen Seite so eine Kontinuität bietet und auf der anderen Seite eben diese Offenheit, dass jeder kommen und gehen kann wie er möchte.

Der Gesprächskreis steht ja allen Menschen offen. Verfolgt er auch ein Ziel?

Ja. Wir möchten die aktuellen politischen und gesellschaftspolitischen Fragen aufgreifen. Die Menschen, die mitmachen, können auch sagen, was sie interessiert. Daraus ergeben sich aktuelle Themen: Die nächste Veranstaltung behandelt das Thema „Gute Flüchtlinge, schlechte Flüchtlinge“. Wir möchten uns einmal über den Flüchtlingsdiskurs unterhalten. Über die Aussage: Die Syrer können wir noch nehmen. Die sind ja arm dran. Die Frage ist ja dann: Was ist mit den Wirtschaftsflüchtlingen. Sind wir nicht auch verantwortlich für das, was an Armut in den anderen Ländern entsteht und müssen wir nicht auch auf diese Verantwortung eingehen? Das Thema hat natürlich durch die Geschehnisse an Silvester einen anderen Drive entwickelt und umfasst jetzt auch Kriminalität unter Flüchtlingen. Dann beschäftigen wir uns auch mit dem Thema Wohnen. Wenn man sich anschaut, was in Sülz passiert, wenn hier Wohnraum geschaffen wird. Das fängt, wenn es gut geht, bei 4000 Euro pro Quadratmeter an. Das löst nicht die Probleme von Zuwanderern, Flüchtlingen und der großen Mehrheit der Bevölkerung.

Das ganze Interview gibt es hier