„Der junge Karl Marx“ vom Romantiker zum Revolutionär. Michael Heinrich im Gespräch mit Christian Frings

Donnerstag, 09.03.2017 | 21:00 Uhr

(im Anschluss an: „Der junge Karl Marx“, Raoul Peck, um 18 Uhr im Kino Filmpalette, Lübecker Straße 15, 50668 Köln)

King Georg, Sudermanstr. 2, 50670 Köln

In seinem jüngsten Werk präsentiert der aus Haiti stammende Filmemacher Raoul Peck das Leben des jungen Karl Marx als Spielfilm. Der Film erzählt Karls Weg von seiner ersten Beschäftigung mit sozialen Fragen anhand des Holzdiebstahls im Rheinland (1842) bis zum Kommunistischen Manifest, das am Vorabend der 1848er Revolution verfasst wurde. Für Raoul Peck stellt sich die Frage, warum ein aus guten Verhältnissen stammender Bürgersohn sich auf die Seite des Proletariats schlägt und sein ganzes weiteres Leben an dem „kategorischen Imperativ“ orientiert, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“.

Ergänzend zum Film werden Michael Heinrich und Christian Frings beleuchten, was den jungen Marx vor 1842 dazu brachte, die zunächst angestrebte Tätigkeit als Literat und Künstler aufzugeben, und wie er in der kurzen stürmischen Zeit von 1848/1849 in Köln agierte. Damit soll zugleich ein undogmatischer Blick auf Marx‘ weitere Arbeit an seiner „Kritik der politischen Ökonomie“ des Kapitalismus freigelegt werden. Vor genau 150 Jahren publizierte Marx 1867 sein Lebenswerk „Das Kapital“. Mit ihm wollte er den Bürgern „das furchtbarste Missile“ an den Kopf schleudern, das sie je getroffen habe. Nächstes Jahr jährt sich am 5. Mai sein Geburtstag zum 200. Mal.

Michael Heinrich (Berlin) ist für seine Arbeiten zur Marxschen Ökonomiekritik bekannt: „Die Wissenschaft vom Wert“ (1991, erweiterte Neuauflage 1999), „Kritik der politischen Ökonomie. Eine Einführung“ (2004), „Wie das Marxsche ‚Kapital‘ lesen?“ (2008, 2013). Zurzeit versucht er, auf neue Weise persönliche Biografie und Werkentwicklung miteinander zu verbinden. Der erste Band seiner auf drei Bände angelegten Schrift „Karl Marx und die Geburt der modernen Gesellschaft“, der den Zeitraum von Marx‘ Geburt 1818 bis zu seiner ersten Kölner Zeit 1842/1843 abdeckt, erscheint 2018 im Schmetterling Verlag.

Christian Frings (Köln) beschäftigt sich seit den 1970er Jahren mit der marxschen Kritik kapitalistischer Verhältnisse und moderiert Lesekreise zum „Kapital“. In den letzten Jahren hat er sich insbesondere mit Marx und der Arbeiterbewegung in Köln während der 1848er Revolution auseinandergesetzt.

Europäischer Sozialstaat – Möglichkeiten, Ansätze oder Illusion? – mit Helga Spindler

DIENSTAG; 21. März 2017, 19:30 h
Salon Freiraum, Gottesweg 116 a, 50937 Köln Sülz

Einführung: Helga Spindler.
Moderation Angelika Harzheim.

Auf der Suche nach Alternativen in der europäischen Krise setzen viele Hoffnungen auf eine über Europa vermittelte Verstärkung von Systemen sozialer Sicherheit.

Statt auf Sozialpolitik baut die EU darauf, dass ein entfalteter Binnenmarkt die beste Grundlage für soziale Wohlfahrt und soziale Sicherheit darstellen. Zudem haben die Nationalstaaten sehr unterschiedliche Sicherungssysteme. Das gilt sogar für die Sozialversicherungen, ganz besonders aber für steuerfinanzierte Grundsicherungs- und Familienleistungen und bei Hilfen zum  Beschäftigungseinstieg oder im  Gesundheitssystem.

Es ist zwar möglich, mehr soziale Koordinierung in Europa zu fordern, allerdings ist das auch mit vielen Risiken behaftet.

 

Welche „Errungenschaften“ sozialer Beschäftigungspolitik Aktivitäten in der Armutspolitik gibt es bisher in Europa? Welche Möglichkeiten gibt es, sie weiter zu entwickeln?  Müssten nicht zunächst die Nationalstaaten ihre sozialen Systeme mehr aufeinander  zu entwickeln, statt neue Instrumente von oben aufzusetzen? Was könnten und wollen wir aus unserem nationalen Sicherungssystem den andern Staaten in Europa als Vorbild empfehlen?